Chronik

Mit zu den ältesten Vereinen unseres Ortes zählt der Sängerverein Wörth/Do. So schreibt die junge Vorsitzende und Chronistin des Vereins, Ulrike Riedel, zum Anlass des 100-jährigen Vereinsjubiläums. Was muss wohl ein Chor mitgemacht haben, der bereits ein volles Jahrhundert besteht? Wir werden wohl nie alles erfahren können, aber vermuten können wir, dass zum Beispiel die Kriegsjahre, dem damals noch männlichen Stimmen vorbehaltenen Chor, stark zugesetzt haben müssen. Und doch ist er jedes mal wieder auf die Beine gekommen.


Die Musik und die Musiker sind nicht so einfach klein zu kriegen. Und das ist verdammt gut so, denn was wäre unser Alltag ohne ein gepfiffenes Lied auf den Lippen, einen Chorgesang, ohne das Gutenachtlied für die Kleinsten.

Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an. Diese weisen Worte hat bereits im 18. Jahrhundert der Komponist und Dichter Ernst Theodor Hoffmann angemerkt.


So meldet das Wörther Anzeigenblatt "Donau Post" in seiner Ausgabe Nummer 152 vom 29. Dezember 1893:
Ganze elf Männer hatten sich zur Vereinsgründung am 22. Dezember des gleichen Jahres im Gasthaus Kattum, (jetzt Schifferl / Schütz) eingefunden. Sanitätsrat Dr. Neumeier, der Gründungsvorstand und J. B. Schifferl, Dirigent der ausschließlich männlichen  Singgemeinschaft von 1893, konnten jedoch bald auf  bemerkenswerte  Erfolge verweisen. Nach dem 1. Weltkrieg erlebte der Männerchor einen starken Aufschwung. 1920 zählte man 42 aktive und 76 fördernde Vereinsmitglieder. Zahlreiche Auftritte, Festlichkeiten und  Vereinsveranstaltungen sicherten dem Sängerverein bis zum Ende

der dreißiger Jahre Anerkennung.


Erst ab dem Frühjahr 1949,  ein Jahr vorher hatten sich nach der Währungsreform die dunklen Wolken über dem örtlichen Vereinsleben allmählich gelichtet, konnte die Vereinsarbeit fortgeführt werden. Bereits ein Jahr später trug zielbewusste Probenarbeit dem Chor einen ersten Preis beim Sängerwettstreit in Cham ein. Karl Frank, der Chorleiter, erreichte und hielt einen beachtenswerten Leistungsstand. Auch die seinerzeit künstlerisch recht hoch stehenden  "Wörther Schloss Festspiele" unterstützte der Sängerverein.


Beim Gründungsfest zu Pfingsten, 13./14.Juni 1953, goss es zwar in Strömen, doch die Weihe der neuen Vereinsfahne und ein großartiges Festkonzert (Leitung Karl Frank) verliehen ihm Glanz. Drei Jahre später bildete man einen gemischten Chor, dessen jährliche Konzerte, kundig betreut von Karl Frank, ein gleich bleibend anspruchsvoller Leistungsstand bestimmte.

Die Arbeit des verdienten Chorleiters über sechzehn Jahre hinweg setzte ab 1965, nicht weniger engagiert, Alois Kerscher fort. Jährliche Konzerte, vor allem die Aufführungen zur Weihnachtszeit, fanden stets großen Anklang bei der Bevölkerung. 1976 war der Sängerverein Gastgeber für den Oberpfälzer Sängertag, für den er mit einem umfangreichen Konzertprogramm Rahmen und Höhepunkt schuf.


Nach einer kurzen Zwangspause, bedingt durch die Versetzung von Alois Kerscher ins Niederbayrische Atting, folgten Jahre harmonischen Zusammenwirkens in der Chorgemeinschaft Wörth/Roding. Hier muss im Besonderen der Name Hermann Arnold erwähnt werden, der unermüdlich jede Woche von Roding nach Wörth kam und die Probenarbeit übernahm. Das zusammenwirken der beiden Chöre ermöglichte eine Vielzahl von Konzerten mit Werken der großen Chorliteratur:  Joseph Haydns "Theresien Messe", "Die Schöpfung" und die "Jahreszeiten", v. G. Rossini "La petite messe solemnelle"und die as-Dur-Messe von Franz Schubert, um nur einige zu nennen. .Besonderes Augenmerk verdienen die Wieder- bzw.


Erstaufführungen Oberpfälzer und Böhmischer Meister: 
Franz Xaver Sterkel ("Festmesse"), Wenzel Tomaschek ("Krönungsmesse"), sowie Zeitgenossen wie Heinz Benker (Oratorium " Michael "),  Ernst Kutzer ("Bayrisch durch`s Jahr ") und Ernst Ebert ("Herbstzyklus").

Die Aula der Wörther Volksschule ist Zeuge vieler Aufführungen. Eine lange Reihe weist die Chronik aus: Volkslieder, Ausschnitte aus Opern (z.B. "Die verkaufte Braut ", "Der Trubadour", "Die Zauberflöte"), Operetten ( Joh. Strauß  "Der Zigeunerbaron", Franz Lehar "Die lustige Witwe") u.s.w. Wo immer es möglich war arbeitete man mit anderen örtlichen Einrichtungen der Musikpflege, z.B. Musikschule und der Stadtkapelle zusammen. Zahlreiche Solisten wurden im Laufe der Jahre in Wörth vorgestellt. Der Sängerverein konzertierte mehrmals in der westböhmischer Stadt Klattau, lange bevor sich die Grenzen endgültig öffneten. Er fand dort ein überwältigendes Echo, vor allem auch mit der Aufführung von Smetana's Kantate "Pisen ceska", deren erster Satz religiöse Bezüge enthält, was von der anwesenden Parteihierarchie nur süßsauer lächelnd quittiert, von den gut 400 Zuhörern im Klattauer Stadttheater jedoch mit frenetischem Beifall bedacht wurde.

Einen besonderen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte bildet gewiss die großartige und allseits hoch gelobte Aufführung des Oratoriums "Die Schöpfung" von Joseph Haydn in der Walhalla am 27. Juni 1993. 


Dabei wirkten die Chorgemeinschaft Wörth/Roding, die Singgemeinschaft Hörlkofen, der Musikverein Roding und das Konservatorium Pilsen zusammen. Alle Aufführungen wurden von Hermann Arnold geleitet. Mit der Verleihung der "Zelter - Plakette" durch den Bundespräsidenten, für langjähriges Wirken um die Pflege der Chormusik und des Deutschen Volksliedes, wurde dem Wörther Sängerverein eine große Ehre zu Teil.


Weitere Anmerkungen aus der Chronik:
Generalversammlung 22. Oktober 1992: Nicht gerade gut bestellt ist es um die Mitgliederentwicklung im Verein. Die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger nimmt immer mehr ab, vermerkt Schriftführer Alfred Rothfischer. Dazu gesellt sich eine weitere Sorge: Hermann Arnold, der 16 Jahre den Chor geleitet hat, legt mit Ablauf des Jahres den Dirigentenstab nieder. Hermann Arnold wurde am 17.November 1994 offiziell mit großen Dank verabschiedet und zum "Ehrendirigenten" ernannt.

In der Zeit von 1995 bis 1998 ruhte die Aktivität des Vereins, weil kein Dirigent zur Verfügung stand. Aus der Not eine Tugend machte die Vorsitzende Ulrike Riedel. Sie gründete mit einigen Sängerinnen und Sängern den "Wörther Singkreis", eine fröhliche und lockere Runde, die sich seitdem einmal im Monat zum geselligen Singen im Gasthaus Schifferl trifft.

Doch es geht immer wieder aufwärts...


Am 7. Mai 1998 stellte sich der Neubürger von Wörth,  Elmar Holzner, als neuer Chorleiter vor. Seine musikalische Vorbildung, Studium der musischen Künste in Salzburg (Mozarteum), lässt auf vieles hoffen. Der erste größere Auftritt unter der neuen Regie war ein Weihnachtskonzert am 20. Dezember 1998 in der Wörther Schlosskirche. Es folgte die Aufführung "Das Lied von der Glocke". Ein großer Erfolg. Ein weiterer kirchenmusikalischer Höhepunkt war die Aufführung der "Krönungsmesse" von W. A. Mozart anlässlich des 110 jährigen Bestehens des Vereins am  12. Oktober 2003. Verstärkt wurde der Chor dabei durch den Brennberger Kirchenchor . 


Der Sängerverein Wörth ist wieder zu einem gewichtigen Kulturträger der Stadt geworden.
Es wäre zu wünschen, dass die "Freude am Singen" wieder einen größeren Zuspruch findet.

J. Schütz

Und so ging es weiter...